Erfolgsbilanz pharmaSuisse

Standortbestimmung Wenn in Verbänden Vorstände und Präsidenten unerwartet wechseln, hinterlassen sie meist schwierige Projekte. Und man fragt rückblickend, wie ihre Erfolgsbilanz aussieht. Was haben der bisherige Verbands­vorstand, Präsident Fabian Vaucher und sein Team in Bern für den Berufsstand erreicht? Eine kurze Betrachtung.
Hans Wirz

Was für kantonale Fachverbände oft Probleme darstellt, bestimmt – unter anderem – auch gesamtschweizerische Organisa­tionen: Gegenläufige Interessen und Meinungen, Zeitdruck, verschiedene persönliche Eigenheiten und unter­schied­liche Kommunikationsstile: Zahlreiche Forderungen und Erwartungen von aussen und innen erschweren Fortschritt. Fakten und Emotionen mischen mit – man nennt es Demokratie, inklusive ­regionalen Querelen.

Das ganz normale Minenfeld

Kommt dazu, dass verschiedene Interessengruppen ebenfalls ihre Ansprüche anmelden und dass in regelmässigen ­Abständen hinterfragt sein möchte, was denn überhaupt die Kernaufgaben von Berufsverbänden seien. Wieso wird wie viel Geld für welche Anliegen investiert? ­Hinter diesem Gemisch von richtungsweisenden Faktoren steckt die Angst ­aller Be­rufsgattungen vor möglichen ­Ver­lusten. Hauptsächlich Verlusten der wirtschaftlichen Bedeutung für die Einzelbetriebe und die Branche – da sind die Apotheken keine Ausnahme. Natürlich ist, dass ­Akteure ausgewechselt werden. Mehr oder weniger kurzfristig geplant. Im ­aktuellen Fall hat die ausserordent­liche Delegiertenversammlung vom 9. Septem­ber 2020 Präsident Fabian Vaucher abgewählt und die Mehrheit des Vorstands erneuert. Im Hinblick auf die Zukunft des Verbands zeigt HealthPoint im Rahmen einer Standortbestimmung auf, welche Erfolge der bisherige Verbandsvorstand, Präsident Fabian Vaucher und sein Team in Bern erreicht haben – und was sich in Entwicklung befindet.

LOA: Wegen der andauernden Margenerosion und der teilweisen Mengenverschiebungen in den Preisklassen muss die Vertriebsmarge neu berechnet werden. Mit dem Ziel, die Querfinanzierung der Personalkosten und bei der Medikamentenabgabe zu stoppen. Der entsprechende Tarifantrag liegt momentan beim Bundesrat und die Revision der Marge im Parlament. 

Weiterbildung: Die Revision des MedBG/HMG erforderte eine Ausweitung des Weiterbildungsprozesses der Apotheker, um als eigenverantwortliche Medizinalpersonen entsprechend befähigt zu sein. Es wurde ein umfassendes, aber flexibles Weiterbildungsprogramm entwickelt. Inklusive einer entsprechenden «Ordnung».

Neue Verantwortungen: Das Parlament und der Bundesrat haben grosses Vertrauen in die Apotheken ausgedrückt, als sie ihnen neue Kompetenzen zuordneten. Die allerdings mit grossen Verantwortungen verbunden sind. Bei der Ausweitung der Kompetenzen geht es um die Zuordnung der pharmazeutischen Behandlungen (Diagnose und Therapie) und der Impfkompetenz.

Politische Arbeit: Ein entsprechendes Postulat von Nationalrätin Humbel gab entscheidenden Aufwind (zugunsten der Apotheken) in Sachen MedBG/HMG.

NetCare: Bei diesem Projekt geht es um ein wichtiges Dienstleistungs­paket, das in Bezug auf die Positionierung der Apotheken als Teil der medizinischen Grundversorgung im richtigen Moment kam. Die Implementierung ist nach wie vor eine Herausforderung.

Impfkompetenz: Ist ebenfalls auf dem besten Weg, in allen Kantonen die Qualifikation der Apotheken als Grundversorger zu fördern. Das Impfangebot gilt für alle Bereiche (z. B. Zecken, FSME, Hepatitis A und  B und eventuell auch Covid-19).

ISO 9001 QMS Pharma: Dieser Relaunch führte zu einer breiten Abgabe von günstigen ISO-Zertifikaten.

Imagekampagnen: Mit verschiedenen Kampagnen (Petition mit über 340 000 Unterschriften, ihre-apotheke.ch usw.) gelang es immer wieder, in den Medien Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zugunsten der Apotheken zu wecken. Eine nachhaltige Investition zugunsten der Volksgesundheit.

Digitalisierung: In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Drogistenverband sollen die Apotheken «digital sichtbar» werden. Zur allgemeinen Digita­lisierung der Branche liegen die ersten Überlegungen vor.

Offene Fragen von der Seitenlinie

Der bisherige Verbandsvorstand, Präsident Fabian Vaucher und sein Team in Bern haben viele Erfolge vorzuweisen und die Sache der Apotheken voran­gebracht. Man fragt sich allerdings, wie viele Projekte ein Verband wie pharmaSuisse gleichzeitig verkraften kann, ohne die ­finanziellen Grenzen zu sprengen und die personellen Ressourcen zu überfordern – auch die der einzelnen Apotheken?

Es wurde schon länger erkannt, dass die Verbandsstrukturen nicht mehr zeit­gemäss sind und man hat entsprechende Organisationsentwicklungen ­ein­geleitet. Der Verband steckt mitten in der ­Umsetzung. Werden die ent­sprechenden Massnahmen 2021 ­weitergeführt oder abgebrochen?

Welche der bisherigen Aufgaben («Produkte») sollte der Verband mit Vorteil und unter Absicherung von Qualitätsstandards an wen abgeben oder verkaufen? 

Apotheken sind in der Regel mit dem Kurzfristigen (Umsätze/Marketing, ­Mit­arbeitende usw.) voll ausgelastet. Sollte sich deshalb der Verband ­pharmaSuisse in erster Linie auf die mittel- und längerfristigen (politischen) Herausforderungen konzentrieren? Und zu zukünftigen Apothekenformaten Vorschläge erarbeiten? Sozusagen eine «FachgeschäftsVision 2030» (inklusive Drogerien) entwickeln?

Welche Prioritäten in Sachen ­Projekte wird die neue Crew (neuer ­Vorstand, neue Präsidentschaft, neues Team in Bern) verfolgen?

Spannende Fragen. Die sicher zur ­Sprache kommen, wenn HealthPoint Anfang 2021 das grosse Interview mit der neuen Präsidentin Martine Ruggli führt. Damit Sie sich als Leserin oder Leser ein Bild machen können von der Zukunft eines Verbands, der für alle Player im Gesundheitswesen und für die Gesundheitspolitik sehr wichtig ist – denken wir an die Umwälzungen der letzten fünf Jahre bezüglich der neuen Positionierung der Apotheken. Wie geht es mit der neuen Crew weiter? Wir von HealthPoint und astrea­Apotheke bleiben gerne dran. ­•