Craniosacral Therapie

Beliebte erfahrungsmedizinische Methode   Die Craniosacral Therapie ist laut einer aktuellen Studie die am zweithäufigsten angewandte komplementärmedizinische Methode in der Schweiz. HealthPoint war zu Besuch bei Franziska Boos in Niederhasli, um mehr über die Therapie zu erfahren.
Jürg Lendenmann


Franziska Boos ist KomplementärTherapeutin mit eidg. Diplom, Methode Craniosacral Therapie, sowie Craniosacral Therapeutin Cranio Suisse® und Supervisorin KT.
Seit April 2020 wirkt sie zudem als Vorstandsmitglied bei Cranio Suisse®.
www.praxis-craniobalance.ch

Durch ein einschneidendes Ereignis, das ihre Gesundheit und Balance massiv beeinflusste, kam Franziska Boos in Kontakt mit der Craniosacral Therapie. «In den Therapiesitzungen wurde ich wahr- und ernst genommen», erzählt sie. «Meine Anliegen wurden gehört, aber nicht gewertet. Mit der sanften Therapiemethode und den unterstützenden und lösungsorientierten Gesprächen gelang es mir, Orientierung zu erhalten und die körperlichen Symptome wurden weniger oder verschwanden. Ich hatte noch nie in dieser Intensität erfahren, wie körperliche Ruhe, Entspannung und Vertrauen in das, was ist, kombiniert mit einem wachen ruhigen Geist, sich anfühlt. Das empfand ich als Geschenk und ich bin dankbar dafür, diese Er­fahrung in meinen Alltag integrieren zu können.»


Craniosacral Therapie wird häufig auch bei Säuglingen angewendet.

In dieser Zeit war ihr Interesse an der ­Methode so stark gewachsen, dass sie sich entschloss, eine Ausbildung zur Craniosacral Thera­peutin zu absolvieren. Heute darf sie viele dieser Schlüsselerlebnisse bei ihren Klienten mit­erleben. Franziska Boos: «Zum Beispiel bei einer Klientin, die wegen starker Migräne-Episoden den Weg in meine Praxis fand. Durch bedrohliche Lebensumstände als Kind und junge Erwachsene hatte sich ihr Nervensystem daran gewöhnt, immer aktiviert und wachsam zu sein, um schnell auf ihr Umfeld reagieren zu können. Der Ausgleich über Ruhe und Entspannung fand nicht mehr in ausreichendem Masse statt. Ebenso führten ­diverse körperliche Traumata am Kopf dazu, dass sich starke Migränesymptome über die Jahre entwickelten. Durch das Angebot einer geschützten Umgebung, das intensive Arbeiten mit diversen Lösungstechniken an Nervensystem, einzelnen Organen, Faszien, Membranen, Knochen und anderen Körperstrukturen wurde das Lösen von Blockaden und Spannungsmustern von innen her angeregt. Durch die Orientierung an der innewohnenden Gesundheit der Klientin und feine Leitung und Anregung wurde die Selbstregulierung angestossen und die Selbstheilungskräfte wurden aktiv. Körperliche und seelische Prozesse konnten damit ins Gleichgewicht finden. Die Klientin konnte in der zweiten Sitzung auf der Liege loslassen. Sie war tief berührt und dankbar für diese ­Erfahrung und sie wurde sich ihrer permanenten Anspannung bewusst, was Veränderungsprozesse in Gang brachte. Die Symptome wurden von Mal zu Mal deutlich weniger und die ­Lebensqualität verbesserte sich.»

Fundierte Ausbildung

«Der Beruf der Craniosacral Therapeutin und des Craniosacral Therapeuten ist ein Beruf aus dem Gebiet der Komplementär­Therapie, der durch eine mehrjährige, berufsbegleitende Ausbildung erworben wird», erklärt sie. «Er setzt eine Grundausbildung der Sekundärstufe oder eine Maturität voraus. Seit September 2015 ist die Craniosacral Therapie in der Schweiz eine anerkannte Methode der Komple­mentärTherapie. Craniosacral Therapeutinnen und Therapeuten haben somit die Möglichkeit, über eine Höhere Fachprüfung auf ­Ter­tiärstufe den Titel «KomplementärThera­peutin mit eidg. Diplom» bzw. «KomplementärTherapeut mit eidg. Diplom» zu erlangen. Bei mir dauerte die ­berufsbegleitende Ausbildung vier Jahre, die Zeit für die Vorbereitung auf die ­Höhere Fachprüfung nicht eingerechnet.»

Eine typische Therapiesitzung

Was erwartet eine Klientin in der ersten Therapiestunde? «Es geht zunächst um ein Einander-Kennenlernen und eine methodenspezifische Befunderhebung. Die wichtigsten administrativen Details werden ausgetauscht und Informationen über den Sitzungsablauf gegeben. Sodann werden die wichtigen Punkte der Klienten-Geschichte und das Anliegen erfasst.» Die Sicherheit der Klienten sei sehr wichtig. Gebe es Anzeichen für die Notwendigkeit einer schulmedizinischen Abklärung, werde der Klient oder die Klientin darauf hingewiesen. «Der Behandlungsplan richtet sich nach einem gemeinsam erarbeiteten Ziel, das regelmässig in Standortgesprächen überprüft wird.

Die körpertherapeutische Behandlung, die zwischen 30 und 90 Minuten dauert, findet in der Regel auf einer Behandlungsliege statt. Hierbei nehme ich Rücksicht auf die Möglichkeiten meiner Klienten, z. B. bei Babys, Kindern, Schwangeren, bei Behinderungen, nach Unfällen usw. Eine Altersbegrenzung nach unten und oben gibt es nicht.»

Ein breites Anwendungsfeld

Und was passiert während der Therapie? ­Franziska Boos: «Neben dem Lösen von Strukturen entdecken oder vertiefen die Klienten ihre ­Ressourcen, die sie massgeblich dabei unterstützen, ihre Resilienz zu stärken. Sie erhalten den Zugang zu einer besseren Selbstwahrnehmung und Selbstregulation, was ihnen erlaubt, selbst­bestimmt Massnahmen einzuleiten, die ihrem Wohlbefinden dienen. Die Craniosacral Therapie kann bei sehr vielen ­Befindlichkeitsstörungen hilfreich sein – bei ­Beschwerden, Leistungsbeeinträchtigungen, Erkrankungen sowie bei Menschen in Reha.»

Zwischen zwei Therapiestunden werden die Klienten dazu eingeladen, ihre Selbstwahrnehmung zu schulen. Manchmal bekommen sie Aufgaben zu Themen, die in der Behandlung aufkommen. Oder es gilt, hilf­reiche Körperübungen auszuführen. Dies unterstütze Klienten dabei, Verantwortung für ihr Wohlbefinden zu übernehmen und trage signifikant zum Heilungsprozess bei.

Wissenschaftliche Studien

Heidemarie Haller und ihr Team konnten in einer mit dem Holzschuhpreis ausgezeichneten Studie zeigen: «Die Craniosacral Therapie kann gegenüber einer Scheinbehandlung als spezifisch wirksam und sicher für chronisch unspezifische Nackenschmerzen angesehen werden. Bis zu drei Monate nach Interventionsende waren eine Reduktion der Schmerzintensität, der funktionalen Einschränkungen und eine Verbesserung der Lebensqualität nach­weisbar.» (doi 10.1097/AJP.0000000000000290)

2020 wurde in einer nationalen Web-­Umfrage ermittelt, welche Methoden komplementärmedizinische Therapeutinnen und Therapeuten anwenden. Am zweithäufigsten nannten die Befragten die Craniosacral Therapie. (doi: 10.1016/j.eujim.2020.101109)

Arbeit während der Corona-Epidemie

«Es ist schön, dass wir seit dem 27. April unter Einhaltung eines Schutzkonzepts wieder für unsere Klienten da sein dürfen. Umso mehr, da ich der Überzeugung bin, dass wir mit unserer Arbeit viele Menschen unterstützen können, die Krank­heitssymptome aus der stressbelasteten Situation heraus entwickeln. Ein Auszug aus dem Artikel ‹Immunsystem› von Cranio Suisse®: ‹Stress zählt zu den grössten Energieverschwen­dern und Krankmachern überhaupt. Die WHO bezeichnet chronischen Stress als eine der gröss­ten Gesundheitsgefahren des 21. Jahr­­hun­derts. Covid-19 hat viele Menschen zusätz­­lich verunsichert. Auch das kann Stress bewirken.

In einem System, das entspannt und reguliert ist, funktioniert auch die Immunabwehr leichter und besser. Die Craniosacral Therapie wirkt allgemein positiv auf das Immunsystem und kann gleichzeitig spezifisch zu dessen Stärkung angewandt werden.›»

Praktizieren …
und den Berufsstand stärken

Franziska Boos hat sich zur Supervisorin KT weitergebildet. «Auf dem Weg zur Höheren Fachprüfung müssen Studierende eine gewisse Anzahl Supervisionen zum Thema KomplementärTherapie absolviert haben», erklärt sie. «Dies dient zur Qualitätssicherung.» Gefragt nach ihren Zukunftsplänen, antwortet die ­dynamische Therapeutin: «Durch die Fülle von Ausbildungen und Abschlüssen, die ich in den letzten Jahren erarbeitet habe, ist es mir im Moment vor allem ein Bedürfnis zu praktizieren. Ausserdem möchte ich mich weiterhin für unseren Berufsstand einsetzen.»

Schweizerische Gesellschaft für
Craniosacral Therapie 

Hermetschloostrasse 70/4.01
8048 Zürich
Telefon 044 500 24 25
contact@craniosuisse.ch
www.craniosuisse.ch
www.fachkongress-craniosuisse.ch
Gegründet: 2005
Mitglieder: über 1200 Therapeutinnen und Therapeuten und 10 Ausbildungs­institute

Cranio Suisse® ist das Qualitätslabel für Craniosacral Therapie in der Schweiz und führend in der KomplementärTherapie. Die Schweizerische Gesellschaft für Craniosacral Therapie agiert proaktiv und sichert auf eidgenössischer Ebene die Qualität und Entwicklung der Craniosacral Therapie in Ausbildung und Praxis und macht die Möglichkeiten der Craniosacral Therapie als Methode der KomplementärTherapie bekannt.

Anerkannter Beruf
Seit 2015 können Therapierende über die Höhere Fachprüfung den Titel «KomplementärTherapeutin mit eidgenössischem Diplom» erlangen.
Weitere Infos auf der Website der Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie OdA KT.
www.oda-kt.ch